Depeschen


Unken! Buhrufe! Enten! Süsse Seegurken!

... Was über die Kryptogeopraphie und ihr Standwerk gemunkelt wird. Oder was die Kryptogeographische Gesellschaft munkelt.




 


 

21.06.2017: Auswandern nach Solwara

Man sagt mir das immer wieder: Wenn alle so denken würden wie du, wären wir noch in den Höhlen! Mit diesen Worten oder anders, aber ich kann jedenfalls entgegnen, dass der Mensch nie in Höhlen „gewohnt“ hat. Kalt, feucht, und oft schon besetzt vom nächsthöheren Glied in der Nahrungskette – wir würden diese Diskussion nicht führen, wenn unsere Vorfahren in Höhlen gelebt hätten.

Aber fortschrittsfeindlich bin ich nicht. Ich könnte mir vorstellen, auf den Planeten Solwara 1 auszuwandern, wenn es einer wäre. Dann könnte man versuchen, es anders zu machen, oder besser: einfach einmal NICHTS zu machen, nichts zu wollen; und natürlich wäre es wieder eine Kolonisierung. Soviel zu meinen Vorsätzen, nicht auszuwandern... Doch was zuviel ist, ist zuviel.

Früher war bestimmt nicht alles gut, nicht alles schlecht. Sicher ist, dass heute mehr schlecht ist als früher, weil es einfach von allem viel zuviel gibt, während zu viel Gutes verschwindet. Ausser Furcht; es gibt zu wenig Furcht, zu wenig Demut, zu wenig Nein.


Karavelle Vol. 10 No. 2 wurde am 21. Juni verschickt. Nach einem lauen Winter, einem sommerlichen Frühling und einem Frühsommer wie im Tal des Todes wird das kürzlich noch gelobte Zuhausebleiben bereits wieder infrage gestellt...



22.03.2017: Ein Ort, wo die Geier hingehen zum Sterben

Eine Ahnung kommt auf, dass diese Ortlosigkeit ein Grundübel unserer Zeit sein könnte. Oder, viel schlimmer, auch dies: da ein Ort neben Geologie und Exposition vorwiegend von Klima, Flora und Fauna geprägt ist, wird es bald keine Orte mehr geben. Die wesentlichen Merkmale der Orte wandern nun selbst, in solchem Tempo, dass viele Pflanzen und Tiere auf der Strecke bleiben. Wir können geologische Orte nicht mehr eine Menschenlebenszeit lang in- und auswendig kennen, sie ziehen jetzt sogar an denen vorbei, die meinen, zuhausezubleiben.

Die Karavelle Vol. 10 No. 1 vom 16. März begab sich auf Wanderschaft an ferne Orte und - man höre und staune! - lobte auch die Tugend des Zuhausebleibens. Das sind ja ganz neue Töne...



23.12.2016: Werke und Nächte

To-do-Listen haben zu Recht einen schlechten Ruf. Denn nie ist abends alles abgehakt, immer wird man wieder zum Würstchen, sogar wenn man richtig gerackert hat. Das passiert, weil man To-do-Listen nicht schreibt, um die Aufgaben tatsächlich zu erledigen, sondern um nicht auf sie zu vergessen. Mit den nicht vollständig abgehäkelten To-do-Listen meiner Biographie könnte ich eine Elefantenherde als Weihnachtsgeschenk einpacken, und Sie mit den Ihren bestimmt auch. Obwohl wir alle Perfektionisten und Arbeitstiere sind - wie kann denn das sein? Warum zweifeln wir an uns statt an den Methoden?

In der Karavelle Vol. 9 No. 5, verschickt am 9. Dezember, gab der Kryptogeograph ein paar erprobte, aber vielleicht in anderen Chaosküchen kaum umsetzbare Ratschläge (!) zum selbständigen Arbeiten ohne Chef und ohne Mitarbeiter, sowie einen indiskreten Einblick in die Zettelwirtschaft.

Die Kryptogeographische Gesellschaft wünscht allen zugewandten Orten sowie zufällig hereinschneienden Gästen frohe Feiertage und ein vorsatzarmes, glückliches Neues Jahr.



12.09.2016: Aufstand gegen die Ausrufung des Anthropozäns

In der Karavelle Vol. 9 No. 4 vom 8. September wehren wir uns gegen die erstmalige Benennung eines Erdzeitalters nach einer einzigen Art - uns selbst. Dieses ultimative Armutszeugnis unserer Hybris muss verhindert werden. Viel mehr ist es fünf nach Zwölf, höchste Eisenbahn, dass wir uns von unserem solipsistischen Menschenkleinkram abwenden und unsere schiere Anzahl reduzieren: durch freiwilligen und drastischen Rückgang der Geburtenrate (solange, falls!, uns diese Tür noch offensteht). Die Kryptogeographische Gesellschaft macht ein paar sehr bescheidene, vermutlich aber trotzdem schon als politisch unkorrekt empfundene Vorschläge. Niemand kann berechnen, wie viele Menschen auf der Erde leben könnten, ohne all unsere Mitbewohner (inklusive Wasser, Boden, Luft) dauerhaft zu schädigen. Viele Schätzungen gehen von etwa einer halben Milliarde aus, Optimisten rechnen mit zwei Milliarden.

Zur Erinnerung: jeden Tag leben 220'000 (zweihundertzwanzigtausend) Menschen mehr auf der Erde. Alle viereinhalb Tage eine Million. Alle zwölf Jahre eine Milliarde Menschen mehr. Jeder einzelne davon verursacht Lärm und Licht und Dreck und Landschaden. Nicht nur die Schildkröten verabschieden sich aus diesem Gewusel ... Wen das nicht bestürzt, dem ist nicht zu helfen.

(In der Zeit, die es brauchte, diese kurze Depesche zu schreiben, kamen beinahe 5000 neue Bürger dazu, Todesfälle schon abgezogen. Die Chance, dass gerade Ihr Kind die Welt retten würde, wenn Sie in diesem Augenblick eins zeugten, ist verschwindend gering.)



14.06.2016: Apnoe-Tauchen in der Arktis

Karavelle Vol. 9 No. 3 lief am 13. Juni vom Stapel. Sie handelt von eckig-länglichen Objekten, Spaghettikürbissen, einer Welttag-Statistik, vom schriftstellerischen Scheitern und von den Arbeitsbedingungen für Autoren.

Karavelle Vol. 9 No. 2 wurde am 28. März unter dem Titel "Ein Massengrab für mich allein" verschickt. Sie gab einen Einblick in die überaus komplizierte Verwaltung der Kryptogeographischen Bibliothek.

Wer den Kryptogeographischen Rundbrief in seinen Briefkasten erhalten möchte, kann ihn bequem vom Sofa aus abonnieren (einfach im Postamt das Häkchen "Newsletter" ankreuzen).


Das erste Standardwerk der Kryptogeographie findet weiterhin qualifizierte Anhänger:

Mein absoluter Favorit: "Man nehme Silber und Knoblauch, Erde und Salz" von Ursula Timea Rossel. Dieses Buch gefällt mir, weil es wie eine Karte zu einer Welt ist, die es nie gab: fantastisch, schön und unglaublich poetisch. Raphael Bruggisser, Schwarzeburger Magazin, Juni 2016



03.03.2016: Die Siebentagewoche in der Presse

... und auch immer noch Man nehme Silber und Knoblauch, Erde und Salz!

Es ist ein Denken an den Dingen, entlang der Sprachgestalt und ihrer Kuriositäten, ein Selbstumgang mit Sein und Phänomenen der Post-Post-Post-Moderne, das ohne poetisch überfeinerte Anmutung daherkommt: anarchisch, nachdenklich und verletzlich in seiner Offenheit. Dichtung als Sprach- und Sprechdenken im Jetzt und mit absichtlichem Abstand zum Lyrischen. Das ist nicht nur anregend, sondern auch sympathisch. Chris Zintzen, Neue Zürcher Zeitung, 5. Februar 2016

Ursula Timea Rossel, studierte Agronomin aus Thun mit Spezialisierung auf Rindvieh, ist mit einer überbordenden Sprachfantasie gesegnet. Am Dienstag stellt sie jedoch nüchtern fest: "Der Anblick Gottes ist nichts für Memmen." Ihr Dialogpartner Markus Köhle spielt hingegen lustvoll mit Assoziationen zum Donnerstag: "Dönerdonner, Donnerschlag..." Wie die CD "Die Siebentagewoche" als Geschenk für fantasiebegabte Menschen empfohlen werden kann, eignet sich auch Rossels Roman "Man nehme Silber und Knoblauch, Erde und Salz" (2011, Bilger Verlag). Er ist wie das Logbuch zu einem von Mythen gebildeten Universum zu lesen, wo sich Wissenschafter, Abenteurer und Heilige tummeln. Monica Dörig, Appenzeller Volksfreund, 15. Dezember 2015

Das Hörbuch der besonderen Art. Concerto 5/15, Oktober 2015

Nachdem einem als zuhörende Person ein „Licht aufgeht“ wie im Track 5 („Mittwochs Post“) bezüglich der Reize dieser Produktion, wird die Vorfreude immer stärker auf hoffentlich baldige weitere musikalisch-literarische Instantbearbeitungen der Monate und Jahreszeiten… Siljarosa Schletterer, Literatur im Lichthof, Brenner-Archiv Universität Innsbruck, Juli 2015