Depeschen


Unken! Buhrufe! Enten! Süsse Seegurken!

... Was über die Kryptogeopraphie und ihr Standwerk gemunkelt wird. Oder was die Kryptogeographische Gesellschaft munkelt.




 


 

13.05.2015: Unbeschränkte Ressourcen trotz Überfluss

Wörter und Ideen sind unbeschränkte Ressourcen, und es ist eine Auszeichnung für sie und den Urheber, wenn sie trotz Überfluss an anderen Wörtern und Ideen dennoch Verbreitung finden. In einem anderen Wirtschaftssystem würde ich gern alles anonym verschenken, was mir zur Verfügung steht, und geschenkt bekommen, was ich selbst mit meiner spezifischen Talent-, Könnens- und Wissensverteilung nicht basteln kann.

In letzter Zeit scheint sich einiges an kryptogeographischem Gedankengut – wörtlich kopiert oder abgetippt? – Schleichwege ans Zwielicht der Öffentlichkeit (wer immer das auch ist!) gebahnt zu haben. Selbstverständlich ist es eine Ehre und ganz im Sinne der Kryptogeographischen Gesellschaft, fleissig zitiert zu werden, danke dafür! Ich freue mich darüber, stelle aber fest, dass in etwa achteinhalb von elf Fällen die Quellenangaben nicht korrekt sind oder gar fehlen. Aufgrund des derzeit leider herrschenden Wirtschaftssystems (ein verkauftes Buch schenkt nicht annähernd einen Kaffee ein ...) muss ich auf das Urheberrecht verweisen und bitte innigst darum, Zitate mit einer vollständigen Quellenangabe zu versehen; in Netzmedien und elektronischer Post zusätzlich mit einem Link zur Kryptogeographie. Besten Dank!




29.10.2014: Leben mit 00

Jeder, der etwas hat oder hatte, sagen wir, einen Partner aus einem anderen Land, eine Krankheit, ein bestimmtes Alter, ein Kind, mehrere Kinder, Zwillinge, Fünflinge oder kein Kind, einen Beruf, egal welchen, keinen Beruf, keine Arbeit, die Ernährung umgestellt, früher eine andere Heimat, einen Kurs gemacht, eine Sportart ausgeübt, einen toten Verwandten, Geschwister oder keine Geschwister, Adoptivkinder, Stiefkinder, keine Eltern, kranke oder böse Eltern, mehrmals geheiratet, eine Sucht oder den Tod überwunden, alles verloren, einen Suizidversuch überlebt, ein Vermögen oder eine Reise gemacht, einen Geist gesehen, mit Toten gesprochen; wer im Krieg war oder jemanden kennt, der im Krieg war, wer ausgewandert oder zuhause geblieben oder von einer Krankheit genesen oder älter geworden ist; wer einen Angehörigen hat, der irgendetwas hat, hatte, getan hat, tut, ist oder war, schreibt darüber ein Betroffenheitsbuch (...). Oder zumindest ein themenbezogenes Kochbuch.

Karavelle Vol. 7 No. 4: Betrachtungen über Ratgeber und Erfahrungsberichte. Mit Erfahrungsbericht! Fast ohne Ratschläge.




17.09.2014: Ein hohes hornloses Ross, das nicht fliegen kann

In der Karavelle Vol. 7 No. 3 beharken wir eines unserer ewigen Lieblingsthemen, nämlich weshalb der sog. "Realismus" sowohl als Weltanschauung als auch als literarisches Genre ein Randphänomen darstellt und endlich wieder in die richtigen Proportionen gerückt werden sollte. Als Illustration dient unter anderem eine Anleitung, wie man als Künstler in fünf Schritten Millionär wird. Eine erneute intertextuelle Auseinandersetzung mit David Mitchell's Wolkenatlas ist unvermeidlich, auch wenn weder Mitchell noch der Kryptogeograph daran Schuld hat. Ausserdem freut sich die Kryptogeographische Gesellschaft auf das bevorstehende musikalisch-literarische Gastspiel in Innsbruck. Und sie versucht eine Erklärung, weshalb sie sich nicht am Autoren-Protestbrief an Amazon beteiligt hat.




19.08.2014: Eine Ginsterkatze ist auserlesen hässlich

Karavelle Vol. 7 No. 2, der kryptogeographische Rundbrief im siebten Jahrgang, ist am 15. August vom Stapel gelaufen, mit der noblen und aussichtslosen Absicht, in Zukunft „kohärenter“ zu werden!

Darinnen wird erklärt, weshalb es eigentlich die Ginsterkatze ist, nicht die Schrödingerkatz®, die mit solchem Brandzeichen versehen sein müsste, oder zumindest: Ginsterkatz©. Denn dieses Vieh ist im Gegensatz zum wissenschaftshistorischen Biest auf dem Mist der Kryptogeographischen Gesellschaft gewachsen.

Anhand der Ginsterkatze wird aus aktuellem Anlass aufgezeigt, wie die Wesen in Existenz gesungen werden, mit einem Exkurs über Magisches Denken und die besorgniserregende Tendenz von Wikipedia. Ausserdem wird dem an ehrlicher Wissenschaft interessierten Leser eine Zeitschrift vorgestellt und ans Herz gelegt, sowie ein wenig aus dem Nähkästchen des Schnittstellers geplaudert, sogar auch vage über den Status quo des Zweite Standardwerks der Kryptogeographie. Das alles nudelt geradezu und –wegs einem „mission statement“ der Kryptogeographischen Gesellschaft entgegen, es ist schier pathetisch!

Ein Auszug aus Man nehme Silber und Knoblauch, Erde und Salz ist in der Juni-Ausgabe von Tiszatáj erschienen, ins Ungarische übersetzt von Hanna Györi. (Leider kann ich das nicht lesen ...).

 

 


03.04.2014: Urs Widmer ist unsterblich

Alle Faultierfahnen stehen auf Halbmast. Ich böllere Salutschüsse in den Chromstahlaprilhimmel, ich raufe mir die Haare und brülle und tobe und streue mir Asche auf den Scheitel. Ich gehe in den Wald und lese den Füxen und Leberblümchen die „Reise nach Istanbul“ bis mir die Stimme versagt, und ich trage Trauer, Mantel, Admiral.

Weiter und weiter brennt das Kollidierende-Sonnen-und-stürzende-Monde-Feuer 2012 auf dem Todtnauberg, diesem Lebensberg! Nicht ein einziger glühender Spahn davon wird je erlöschen, immer weiter. Danke für ALLES, und reise glücklich, Du SO bewunderter Apokalyptiker!

In tiefer Trauer.





01.11.2013: Staubfänger

Jemand hat den Sinn des Lebens gefunden und ihn auf ebay versteigert. Das Höchstgebot erreichte 3.26, ich weiss nicht ob Euro oder Pfund oder Yen. Wenn es Franken wären, könnte man damit zwar nicht einmal einen Kaffee trinken gehen; aber ich würde doch lieber noch draufzahlen und einen Kaffee trinken, anstatt mir den Sinn des Lebens auf den Salontisch zu stellen. Nur wieder so ein Staubfänger, der bald im Keller landet, weil als Geschenk viel zu peinlich. ... Man sollte nicht dauernd fragen WARUM. Sondern: wer verkauft sowas und WARUM?!